Veranstaltung Details
Oedenburg (Argentovaria?) - Eine römische Stadt am Oberrhein. Die Ergebnisse der trinationalen (F, CH, D) Grabungen 1998 - 2006
— Peter-Andrew Schwarz, Basel und Caty Schucany, Bern
Oedenburg liegt auf dem Gebiet der elsässischen Gemeinden Biesheim und Kunheim (Dép. Haut-Rhin, F), etwa auf halbem Weg zwischen Basel (CH) und Strasbourg (F), nördlich von Neuf-Brisach (F), gegenüber des Kaiserstuhls (D). Die Fundstelle wurde zwischen 1998 und 2006 im Rahmen eines trinationalen Grabungs- und Forschungsprojekts der École Pratique des Hautes Études Paris IV (EPHE), der Universität Freiburg/Br. und der Universität Basel archäologisch untersucht.
Die rund 200 ha grosse Siedlung könnte mit dem antiken Argentovaria identisch sein, das der Geograph Claudius Ptolemaios um 150 n. Chr. neben Augusta Raurica als zweite „polis“ im Gebiet der Rauriker bezeichnet – auch wenn nach wie vor kein epigraphisches Zeugnis vorliegt, das diese Arbeithypothese stützen würde. Dass Oedenburg jedoch nicht nur von der Ausdehnung her städtische Dimensionen besass, sondern auch über eine gut ausgebaute öffentliche Infrastruktur verfügte, zeigen u. a. das Strassenraster, die Reste zweier Thermenanlagen, ein grosser öffentlicher Gebäudekomplex (mansio oder praetorium?), ein Mithraeum sowie der im Jahr 2002 entdeckte gallorömische Tempelbezirk.
Der rund 1,4 Hektar grosse Tempelbezirk wurde in den Jahren 2003 – 2005 von der Universität Basel unter der Leitung der beiden Referierenden archäologisch untersucht. Die Grabungen lieferten nicht nur die Grundlagen für die Rekonstruktion der baulichen Entwicklung des um 3/4 n. Chr. installierten Tempelbezirks, sondern auch konkrete Informationen zum modus munificendi, d. h. zur Kultausübung und zu den rituellen Praktiken. Zu erwähnen sind in diesem Zusammenhang u. a. die Niederlegung von Waffen, das Aufstellen von Opferstöcken für Münzopfer (stipes), ein grosser Altar für Apollo und Merkur sowie verschiedene Brandopferplätze. Den wohl spektakulärsten Befund bildete eine Opfergrube, in deren Verfüllung sich rund 90 Keramikgefässe – darunter auch zahlreiche Miniaturgefässe – sowie Reste von organischen Opfergaben (Pflanzen, Gebäck, Fleisch) fanden. Der Befund lässt den Schluss zu, dass die Opfergaben auf einem Scheiterhaufen standen, der anlässlich einer Opferzeremonie angezündet worden ist.
Im Rahmen des Vortrags werden zudem auch die Ergebnisse der Grabungen der französischen bzw. der deutschen Equipe in den julisch-claudischen Militärlagern resp. im constantinischen Strassenpraetorium und im valentinianischen Castrum Argentovaria kurz vorgestellt.
Die rund 200 ha grosse Siedlung könnte mit dem antiken Argentovaria identisch sein, das der Geograph Claudius Ptolemaios um 150 n. Chr. neben Augusta Raurica als zweite „polis“ im Gebiet der Rauriker bezeichnet – auch wenn nach wie vor kein epigraphisches Zeugnis vorliegt, das diese Arbeithypothese stützen würde. Dass Oedenburg jedoch nicht nur von der Ausdehnung her städtische Dimensionen besass, sondern auch über eine gut ausgebaute öffentliche Infrastruktur verfügte, zeigen u. a. das Strassenraster, die Reste zweier Thermenanlagen, ein grosser öffentlicher Gebäudekomplex (mansio oder praetorium?), ein Mithraeum sowie der im Jahr 2002 entdeckte gallorömische Tempelbezirk.
Der rund 1,4 Hektar grosse Tempelbezirk wurde in den Jahren 2003 – 2005 von der Universität Basel unter der Leitung der beiden Referierenden archäologisch untersucht. Die Grabungen lieferten nicht nur die Grundlagen für die Rekonstruktion der baulichen Entwicklung des um 3/4 n. Chr. installierten Tempelbezirks, sondern auch konkrete Informationen zum modus munificendi, d. h. zur Kultausübung und zu den rituellen Praktiken. Zu erwähnen sind in diesem Zusammenhang u. a. die Niederlegung von Waffen, das Aufstellen von Opferstöcken für Münzopfer (stipes), ein grosser Altar für Apollo und Merkur sowie verschiedene Brandopferplätze. Den wohl spektakulärsten Befund bildete eine Opfergrube, in deren Verfüllung sich rund 90 Keramikgefässe – darunter auch zahlreiche Miniaturgefässe – sowie Reste von organischen Opfergaben (Pflanzen, Gebäck, Fleisch) fanden. Der Befund lässt den Schluss zu, dass die Opfergaben auf einem Scheiterhaufen standen, der anlässlich einer Opferzeremonie angezündet worden ist.
Im Rahmen des Vortrags werden zudem auch die Ergebnisse der Grabungen der französischen bzw. der deutschen Equipe in den julisch-claudischen Militärlagern resp. im constantinischen Strassenpraetorium und im valentinianischen Castrum Argentovaria kurz vorgestellt.
Mit Apéro ab 18.00 Uhr, Jahresversammlung um 18.45 Uhr
15.03.2010, 19:00 Uhr
